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Wanderberichte

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2013 04 10 Herlheimer Minnesängerweg

Minnesang bei Sturm und Drang

 Als hätte Walther von der Vogelweide geahnt, was dieser 10. April 2013 für ein Tag werden würde... Denn was verkünden drei Zeilen in Walthers Gedicht „Ich saß auf einem Steine“, zu lesen auf einer der Tafeln, die am Herlheimer Minnesängerweg entlang aufgestellt sind (Auszug)?

„Daz wilt und daz gewürme
die stritent starke stürme;
also tuont die vogele under in.“

Sinngemäß übersetzt heißt das: Das Wild und das Gewürm fechten schwere Kämpfe aus; ebenso tun es die Vögel untereinander.

Nein, nein. Kämpfe unter Tieren wurden an diesem Tag nicht vermerkt. Vielmehr hatten Mensch und Tier mit starken Stürmen zu kämpfen. Von Westen her blies der kalte Frühjahrssturm so heftig, dass er die Hochspannungsleitungen westlich von Herlheim zu lautem, von manchen auch als bedrohlich empfundenem Grummeln brachte.

Zunächst jedoch noch ein Blick zurück: Walther von der Vogelweide – wohl der bekannteste unter den deutschen Minnesängern des Mittelalters, kam nach Überzeugung etlicher Wissenschaftler auf der Stollburg bei Handthal zur Welt und ist in Herlheim gestorben. Die alte Vogtei, in der Walther wirkte, ist dort noch heute zu besichtigen.

Der Herlheimer Minnesängerweg ist dazu bestimmt, Einheimische und Touristen über Walther von der Vogelweide als einen bedeutenden deutschsprachigen Lyriker des 12. Jahrhunderts zu informieren. Der Weg fängt an in der Herlindenstraße beim Brunnen im Unterdorf und endet zwei Kilometer später an dem zwischen Herlheim und Kolitzheim gelegenen Herrenbrunnen. Zu Beginn stellt eine große Tafel dem Betrachter nicht nur das Leben Walthers vor, sondern bringt ihm auch den Minnesang nahe. Das hier erworbene Wissen kann der Betrachter auf dem weiteren Weg vertiefen: Er kommt an vier Findlingssteinen vorbei, wo jeweils auf einer Metalltafel Verse des oben bereits erwähnten Gedichts „Ich saß auf einem Steine“ aufgedruckt sind – in Walthers Originalsprache.

Die „Auflösung“ erfolgt dann auf einer weiteren großen Tafel am Ende des Weges. Sie erläutert nochmals Walthers Dichtkunst, und sie präsentiert mehrere seiner Werke – unter ihnen auch „Ich saß auf einem Steine“ – in heutigem Deutsch. Kultur muss den Menschen schon unmittelbar ansprechen, wenn er sich ihr auch bei lausigem Wetter öffnen soll. Genau dies haben Walther von der Vogelweide und der Herlheimer Minnesängerweg geschafft.

Denn Leo Haupt, der Wanderführer, und seine 21 Mitwanderer ließen es sich – altdeutsch gesagt – „nicht verdrießen“. Man zog frohgemut von Minnetafel zu Minnetafel, lauschte den fachkundigen Erläuterungen von Kreisheimatpfleger Longin Mößlein, und wanderte dann wieder weiter durch Feld und Wald. Ja, Wald war auch dabei, wenn auch nicht viel; bei den Einheimischen ist er als Humpelwald bekannt. Es hat sich aber auf den insgesamt sechs Kilometern niemand die Hax’n verrenkt. Zum Schluss – durchgepustet und ein wenig durchgefroren – drängte die Truppe dann ins wärmende Gasthaus Adler.
(Jochen Ewe)

 



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