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Wanderberichte


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2013 09 29 Herbst am Stgw.-Panoramaweg

Paradiesischer Frühherbst

 
Es war eine der vielen herrlichen Wanderungen, durch die sich der Steigerwaldklub immer wieder auszeichnet. Um seine Mitwanderer – es waren 13 Frauen und Männer – den Herbst am Steigerwald-Panoramaweg so richtig erleben zu lassen, hatte sich Wanderführer Lothar Pickardt für eine Route in den Bergen und Weinbergen rund um Bullenheim entschieden.
 
Und vielleicht war es der genius loci (der Geist des Ortes), der dieser Wanderung am 29. September 2013 das gewisse Etwas gab. Immerhin hat die Bullenheimer Weinlage den vielsagenden Namen „Paradies“; und bei der Wanderung konnte, wer wollte, durchaus einen Hauch von Paradies empfinden. Hatte Albert Camus, der große französische Philosoph, nicht gesagt: „Der Herbst ist ein zweiter Frühling, wo jedes Blatt zur Blüte wird.“? Und hatte Goethe in Sachen Frühlingssonne nicht gedichtet: „..., doch an Blumen fehlt’s im Revier; sie nimmt geputzte Menschen dafür.“? So steht es zu lesen in seinem „Osterspaziergang“.
 
Wer hier einen Widerspruch zwischen der einen und der anderen Geistesgröße sieht, sollte seine Buchhaltermentalität überprüfen. Zwar war der Weg mit rund 14 Kilometern Länge und erheblichen Höhenunterschieden alles andere als ein Spaziergang. Doch an Blumen fehlte es tatsächlich im Revier, das heißt es war wie an Ostern: Blumen waren Mangelware; eine Ausnahme machte lediglich eine solitäre Rabatte, die unerwartet am Rand eines Wengerts auftauchte.
 
Auf jeden Fall war der Weg, den die Wanderer zurücklegten, ein heiter-bunter. Zwar liegt der Schriftsteller Peter Hacks mit folgendem Vers durchaus richtig:
Die Blätter flattern munter und finden sich so schön.
Sie werden immer bunter. Am Ende falln sie runter.
Doch außer bunten Blättern bot der Bullenheimer Frühherbst ja noch andere Farbkleckse, so etwa die der roten Hagebutten, der blauen Schlehenfrüchte und – siehe Goethe – die der „geputzten“ Menschen. Letztere tummelten sich, angezogen vom herbstlich-milden und sonnigen Wetter, in großer Zahl in und um Häckerstuben, Weinscheunen und ähnlichen Wirtschaften herum. Die Kfz-Kennzeichen ihrer Autos signalisierten, welch erstaunlich großen Einzugsbereich die Weinorte unterhalb des Kunigundenwaldes haben: Städte und Landkreise aus der näheren Umgebung dominierten selbstverständlich; doch Kennzeichen mit WÜ oder FÜ, mit N oder AN waren ebenfalls respektabel vertreten. Man sah sogar Autos aus PAF (Pfaffenhofen a. d. Ilm) und AUR (Aurich/Ostfriesland).
 
Wie die Wanderung verlief? Vom Parkplatz am Bullenheimer Berg aus machte sich die Gruppe auf und erreichte via Steigerwald-Panoramaweg die Tannenberg-Höhe bei Hüttenheim. Nach ausgiebigem Blick auf das Steigerwaldvorland ging es von dort zunächst nach Bullenheim zur Einkehr in die (gut besuchte) Häckerscheune von Herbert Volkamer. Auf dem Rückweg wurde ein Abstecher zur (stark frequentierten) Weinparadies-Scheune gemacht. Man ließ sich dort aber nicht nieder, sondern ging zügig weiter bergauf zur Kunigundenkapelle und zum Aussichtsturm des Bullenheimer Steigerwaldklubs (unter anderem mit Blick auf Schloss Frankenberg). Den Steigerwald-Panoramaweg entlang – Schloss Frankenberg grüßte noch einmal – kamen die Wanderer dann wieder zum Parkplatz zurück.
 
Nicht nur den schönen Weg über Berg und Tal, nicht nur die frühherbstliche Farbpalette und das großartige Wetter genossen die Wanderer; Eindruck machten auch die prallen Reben aller Sorten, die in den weitgehend noch nicht abgeernteten Weinbergen einen neuen, wundervollen Wein-Jahrgang erahnen ließen. Eindruck machten zudem einige archäologische Grabungen rechts und links des Steigerwald-Panoramawegs, die wertvolle Zeugnisse aus alter keltischer Zeit zutage gefördert haben. Und nicht zu vergessen: Gar manchem Pilzfreund in der Gruppe blutete das Herz, so leckere Schwammerl wie Parasolpilz und Schopftintling stehen lassen zu müssen. Er hätte seine Pfanne voll bekommen. (Jochen Ewe)


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